Retro Grange
meint Chef-Winemaker Peter Gago zum Penfolds Grange 2022 BIN 95 Shiraz South Australiaden: "Ein Spiegelbild von 75 Jahren Erfahrung und der Wiederkehr unvergesslicher Jahrgänge vergangener Zeiten. Von beeindruckender Dimension und stilvoller Finesse, die Erwartungen meisterhaft erfüllend – und mehr. Wird er geöffnet, verlangt er nach dem Dekantieren. Bleibt er verschlossen, verlangt er Geduld. Keine Eile.“
Grange ist das legendäre Flaggschiff und der bedeutendste Rotwein von Penfolds. Er wird aus sorgfältig ausgewählten Shiraz-Trauben erzeugt, die überwiegend aus dem Barossa Valley stammen, ergänzt durch einen kleinen Anteil Cabernet Sauvignon.
Erstmals 1951 erzeugt, verkörpert Grange wie kaum ein anderer Wein die außergewöhnliche Kunst des Blendings bei Penfolds. Er gilt weltweit als einer der bedeutendsten Weine Australiens und wurde offiziell als „Heritage Icon of South Australia“ – als Kulturerbe-Ikone Südaustraliens – anerkannt..
Die Verkostungsnotiz des Weinguts | Peter Gago:
Farbe: Am 26.02.2018 zeigte er nur einen 1–2 mm breiter Rand mit einem Hauch von Rot. Der Rest? Undurchdringlich dunkel.
Nase: Von beeindruckender Tiefe und dunkler Intensität. Die Aromatik wirkt dicht und kraftvoll, mit rauchigen, erdigen und fein würzigen Anklängen, die dem Wein eine markante, fast archaische Ausdruckskraft verleihen. Im weiteren Verlauf zeigen sich Noten von dunklen Kirschen, Bitterschokolade, Chinotto und herzhaften Gewürzen. Dazu kommen feine Anklänge von Lorbeer, Röstaromen und eine subtile mineralisch-eisenartige Note, die für zusätzliche Komplexität sorgt. Über allem liegt die charakteristische, leicht volatile Würze, die Grange seinen unverwechselbaren Charakter verleiht. Der Ausbau in 100 % neuer Eiche ist spürbar, bleibt jedoch erstaunlich gut eingebunden. Ein kraftvoller, kompromissloser Stil – klassisch Penfolds, traditionsbewusst und mit großer Präsenz.
Gaumen: Vom ersten Moment an beeindruckend dicht, opulent und geradezu überwältigend. Am Gaumen verbindet Grange enorme Fülle und Konzentration mit bemerkenswerter Energie und Präzision. Trotz seiner Intensität wirkt der Wein klar definiert, engmaschig und großzügig zugleich. Die bereits im Duft wahrgenommenen Aromen von schwarzer Kirsche, dunkler Schokolade und Chinotto setzen sich eindrucksvoll fort, ergänzt durch Walnuss, feine Röstaromen und eine dunkel-würzige Nuance. Besonders eindrucksvoll ist die Tanninstruktur: kraftvoll und weit ausgreifend, dabei jedoch bereits erstaunlich geschliffen, poliert und harmonisch eingebunden. Der Wein besitzt enorme Länge und scheint am Gaumen kaum enden zu wollen. In seiner Kombination aus Dichte, Kraft und monumentaler Struktur erinnert dieser Grange an große Jahrgänge der Vergangenheit – möglicherweise muss man bis zum legendären 1998er zurückgehen, um eine vergleichbare Stilistik zu finden.
Erin Larkin im Juli 2026:
Der Penfolds Grange 2022 besteht aus 97 % Shiraz und 3 % Cabernet Sauvignon. Die Trauben stammen aus dem Barossa Valley, McLaren Vale und Coonawarra. Wie gewohnt reifte der Wein 18 Monate in amerikanischen Hogshead-Fässern, die zu 100 % aus neuer Eiche bestanden. Der Jahrgang 2022 zählt in South Australia zu den besonders gelungenen Jahren. Die Vegetationsperiode verlief vergleichsweise kühl und gleichmäßig. Gute Niederschläge im Winter sorgten für einen gesunden Start der Reben, während wechselhaftes Frühlingswetter mit vereinzeltem Hagel die Erträge reduzierte – insbesondere beim Shiraz im Barossa Valley. Ein milder Sommer mit nur wenigen extremen Hitzeperioden ermöglichte anschließend eine langsame und gleichmäßige Reife. Die niedrigen Erträge, gesunden Laubwände und die verlängerte Reifezeit am Stock führten zu kleinen, konzentrierten Beeren mit fester Tanninstruktur, bemerkenswerter Frische und kontrollierter Kraft. In der Nase zeigt sich der Grange 2022 mit intensiven Aromen von Lakritz und Brombeere, dazu Himbeerkernen, schwarzem Tee und würzig-herben, animalischen Nuancen. Am Gaumen präsentiert er sich enorm konzentriert, kraftvoll und von tiefdunkler Frucht geprägt – ganz im unverkennbaren Stil von Grange. Grange wird aus vollreifen, strukturierten Shiraz-Trauben verschiedener Regionen South Australias erzeugt. Erstmals 1951 als experimentelle Cuvée vinifiziert, wurde er seither in jedem Jahrgang produziert und gilt heute als eindrucksvolle Verbindung von Shiraz mit den unterschiedlichen Böden und Klimazonen South Australias. Die Tannine zeigen sich in ihrer Jugend noch kraftvoll und beinahe ungestüm. Sie besitzen enorme Präsenz, bleiben lange am Gaumen und werden lediglich von der intensiven Frucht in Schach gehalten. Ein großer Grange mit gewaltiger Struktur, Konzentration und außergewöhnlichem Reifepotenzial.
James Suckling bewertet im Juli 2026:
Eine weitere exzellente Ausgabe, mit einem kühleren, weicheren Ausdruck, der die Bedingungen des Jahrgangs widerspiegelt. Schwarze und blaue Beeren, Pflaumenschale, Minze, Leder, Zedernholz, Bitterschokolade, Lorbeerblatt und eisenhaltige Erde. Am Gaumen seidig und üppig, ohne harte Kanten, mit schmelzenden Tanninen und einem straffen, speichelanregenden Finale, das von einer herzhaft-würzigen Strenge geprägt ist. Ein Wein, dem noch Jahrzehnte bevorstehen, in denen sich seine Nuancen weiter entfalten können. Eine Cuvée aus 97 % Shiraz und 3 % Cabernet Sauvignon. Jetzt trinken oder weiter lagern.
98 Punkte auch von Jane Anson | Inside Bordeaux (Juli 2026):
Sattes Pflaumenrot. Intensive, duftige Noten von Veilchen und Pfingstrosen, dazu zerstoßene Kakaobohnen, Cola und dunkle Schokolade. Die Tannine sind seidig und geschmeidig. Diese Mannschaft weiß ganz genau, wie man eine Meisterklasse in lebendigen, kristallklaren Aromen abliefert – damit kann man kaum etwas falsch machen. Peter Gago, Winemaker; Tom King, Director.
100 Punkte gibt Julie Sheppard (Juni 2026):
Es gibt Momente, in denen die Verkostung eines ikonischen Weins einen ein wenig unterwältigt zurücklassen kann. Dies war keiner davon. Wie ein A-Promi im Scheinwerferlicht sticht dieser 75. Jubiläumsjahrgang des Grange aus den Veröffentlichungen der 2026 Collection heraus und verdient jede Standing Ovation, die das Publikum zu geben vermag. Der 2022er stammt aus einer kühlen Vegetationsperiode – „Ich mag die kühleren Jahre immer besonders“, sagt Chief Winemaker Peter Gago – und vereint Trauben aus dem Barossa Valley, McLaren Vale und Coonawarra. Der Wein reifte 18 Monate in neuen amerikanischen Hogshead-Fässern. Schon jetzt bietet er aromatisch enorm viel. Die Nase ist fein gezeichnet und vielschichtig, mit Rosenblättern und Gewürzen sowie fleischigen und erdigen Tönen; dabei wirkt alles bemerkenswert frisch und harmonisch. Mit nur 3 % Cabernet Sauvignon in der Cuvée zeigt der Gaumen eine außergewöhnliche Reinheit der Shiraz-Frucht. Der Wein schafft es, üppige Fülle mit Eleganz und lebendiger Energie zu verbinden. Natürlich kann man die makellosen Tannine und die für Grange typische flüchtige Säure analytisch auseinandernehmen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass man sich von der mühelosen Balance und dem langen Nachhall eines Weins mitreißen lässt, der schon jetzt erstaunlich vollständig wirkt – und dennoch noch Jahrzehnte der Entwicklung vor sich hat. Bravo!
99 Punkte The Drinks Business | Colin Hay (August 2026):
Intim und subtil komplex. Zedernholz und Pfingstrose zeigen sich zuerst, begleitet von knackiger, duftiger dunkler Beerenfrucht – Schlehe, Heidelbeere, Zwetschge und Maulbeere. Dazu kommt eine feine, leicht medizinische Note, die ein wenig an einen torfigen Islay-Whisky im Stil eines Lagavulin erinnert. Auch schwarze Kirsche und schwarze Oliventapenade finden sich, dazu ein Hauch Ruß und Eichenrauch. Die Textur ist seidig, getragen von der nahtlosen Einbindung der Tannine. Hinzu kommt eine herrlich kühle, an Schleifstein erinnernde Mineralität. Durchdringend frisch, anmutig und geschliffen präsentiert sich der Wein hell und leuchtend – umso beeindruckender angesichts der Fülle, Dichte und Konzentration am mittleren Gaumen. Die Tannine sind wunderschön weich, umschmeicheln sanft den mittleren Gaumen und formen ein angehobenes, elegantes, fächerförmig auslaufendes Finale. Textural erhaben und geradezu eine Studie in Harmonie und Eleganz. Im direkten Vergleich mit dem ebenfalls verkosteten 1998er zeigen sich einige bemerkenswerte Parallelen.
Jahrgangsbedingungen
Der Jahrgang 2022 war in South Australia von einer kühlen und gleichmäßigen Vegetationsperiode geprägt, die bei Grange Struktur, Präzision und Langlebigkeit begünstigte. Die Niederschläge im Winter lagen im Bereich des langjährigen Mittels bis darüber und füllten die Wasserreserven der Böden vor dem Austrieb wieder auf. Dies unterstützte ein stetiges frühes Wachstum der Reben. Der Frühling verlief unbeständig, mit kühlen Temperaturen, Wind und mehreren bedeutenden Hagelereignissen Ende Oktober. Diese beeinträchtigten die Blüte und reduzierten die Erträge, insbesondere beim Shiraz im Barossa Valley. Trotz dieser Herausforderungen erholten sich die Weinberge während eines milden Sommers sehr gut. Es gab nur wenige extreme Hitzeereignisse und keine länger anhaltenden Perioden mit Temperaturen über 40 °C. Im McLaren Vale förderten gemäßigte Temperaturen und nur wenige Hitzespitzen eine gleichmäßige Reife und den Erhalt der Frische. In Coonawarra folgte auf einen kühlen Saisonbeginn ein trockenes und stabiles Finale der Vegetationsperiode. Niedrige Erträge, eine verlängerte Reifezeit und gesunde Laubwände führten zu kleinen Beeren, einer festen Tanninstruktur und einer kraftvollen, zugleich kontrollierten Stilistik.