St Henri – eine weitere Facette des Shiraz
In der Geschichte der Weine von Penfolds geht der Name St Henri – dessen Ursprünge bis ins Jahr 1890 zurückreichen – dem des Grange voraus. Offiziell in den frühen 1950er Jahren eingeführt, gewann der Wein in den 1990er Jahren erheblich an Bedeutung. Er stammt aus verschiedenen Weinbauregionen und bietet eine wahrhaft einzigartige Interpretation des Shiraz. Was den St Henri auszeichnet, ist sein sorgfältiger Reifeprozess in großen, alten Holzfässern. Diese Methode minimiert den Einfluss der Eiche auf den Wein und lässt den fruchtigen Charakter in seiner ganzen Reinheit zur Geltung kommen. Lange Zeit lag er preislich auf demselben Niveau wie der Grange; heute bietet er ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis angesichts seiner stolzen Tradition, der Qualität des Leseguts und seines beachtlichen Reifepotenzials.
Verkostungsnotiz des Weingutes:
Farbe: Im Kern schwarz mit einem leuchtend violetten Rand.Nase: In der Nase zeigt sich der Wein tiefgründig und komplex; er offenbart Schichten von schwarzen und blauen Früchten, dunklen Gewürzen, leicht geröstetem Kaffee sowie mineralischen Noten von Feuerstein, Eisenstein und nassem Stein. Kräuternuancen von Oolong-Tee, frischer Brennnessel und Goji-Beere verleihen Frische und aromatische Komplexität. Gaumen: Am Gaumen präsentiert er sich großzügig und saftig, gestützt durch ein festes, fein strukturiertes Gerüst. Üppige dunkle Fruchtaromen werden ergänzt durch herzhafte Umami-Noten, Olivenlake, chinesischen Tee, Fenchel und Lakritz. Feine, dicht gewobene Tannine führen zu einem langen, präzisen Abgang, der die Eleganz und den unverwechselbaren Charakter des St Henri widerspiegelt.
Erin Larkin im Juli 2026:
Die Trauben für den 2023er St. Henri Shiraz stammten aus dem McLaren Vale (55 %), dem Barossa Valley (21 %) und Frankland River (8 %), wobei der Rest aus Port Lincoln und Padthaway bezogen wurde. Der Jahrgang 2023 markiert das erste Mal, dass Shiraz aus Frankland River für den St. Henri verwendet wurde – ein bemerkenswerter Umstand, da es sich um Westaustralien handelt, während das Lesegut für diese Cuvées traditionell meist aus den östlichen Bundesstaaten stammt. Zur Einordnung: Im Barossa war 2023 eine kühlere und feuchtere Saison, auch im McLaren Vale war es kühler; im Westen hingegen entwickelte sich der Jahrgang zu einem der besten, ausgewogensten und lebendigsten der jüngeren Geschichte. So präsentiert sich der 2023er St. Henri Shiraz seidig und fein, ausgewogen und mit Kräuternoten sowie Aromen von Sternanis, gehobeltem Fenchel, Himbeere, Milchschokolade und Veilchen; zudem zeichnet er sich durch eine schöne Frische aus. Er ist wirklich hervorragend. Die aktuellen St.-Henri-Jahrgänge unterscheiden sich stilistisch stark von den frühen Ausgaben dieser Cuvée, bewahren sich aber dennoch eine ähnliche Leichtigkeit und Unbeschwertheit. Insgesamt würde ich sagen, dass der Alkoholgehalt höher ist als bei den Weinen der 1980er Jahre und davor, die Tannine jedoch sehr geschliffen und gekonnt eingebunden sind. Dies sorgt meiner Meinung nach für eine gewisse Differenzierung – oder schafft zumindest zwei stilistische Denkweisen; ich persönlich bin ein Fan von beiden. Der Wein reifte 12 Monate lang in großen, bereits belegten Eichenholzfässern. 14,5 % Alkoholgehalt, verschlossen mit Naturkorken.
James Suckling bewertet im Juli 2026:
Dieser Wein besitzt eine echte Eleganz und viel Charme; der kühlere Jahrgang prägt das Profil mit Noten von schwarzen und blauen Beeren, Pflaume, süßen Gewürzen, eisenhaltiger Erde und getrockneten Kräutern. Am Gaumen präsentiert er sich üppig und seidig, gepaart mit einer gewissen, metallisch anmutenden Strenge, die durch seidige Tannine und eine lebendige Säure abgerundet wird. Er besticht durch wunderbare Spannung und Reinheit und bietet noch viel Potenzial, das sich mit zunehmender Flaschenreife entfalten wird. Jetzt trinkreif, aber auch lagerfähig.
97 Punkte von Jane Anson | Inside Bordeaux (Juli 2026):
Schon beim ersten Hineinriechen erlebt man eine geballte Ladung Veilchenblüten und Kirschknospen – erdig, aromatisch und langanhaltend. Begeisternd ist dieses süße Püree aus leicht angerösteten Himbeeren, das sich am Gaumen entfaltet. Peter Gago (Winzer), Tom King (Direktor).
Peter Moser schriebt im August 2026:
Dichtes, verführerisches Bouquet mit kleinen schwarzen Beeren, leichtem Tabak, einem Hauch getrockneter Minze, reifen Heidelbeeren und Kardamom. Dicht und saftig, mit reichlich süßem Tannin, schönem Kern und einer feinen, zarten Säurelinie. Dichter, reifer dunkelbeeriger Charakter mit Pflaumen, Brombeeren, getrockneten Kräutern und reifen Cranberries im Finale. Lang.
Colin Hay | The Drinks Business gibt 96 Punkte (August 2026):
Ganz seinem Charakter treu (auch wenn Trauben aus Frankland River, Port Lincoln und Padthaway einbezogen wurden), präsentiert sich der St Henri im Jahr 2023 in Bestform! Rauchig, würzig, frisch und doch sehr kompakt und dicht, mit beachtlicher Vielschichtigkeit. Noten von Wildbret, Wacholder und schwarzem Pfeffer. Üppig, aber nicht übermäßig, dabei mit enormer vertikaler Dimension. Intensiv saftig. Salzig und mineralisch. Klar und beeindruckend dynamisch im Mittelgaumen. Klar und geschmeidig. Fließend, trotz der Dichte und Fülle. Im Abgang beschwingt und frisch.
97 Punkte auch von Jeni Port, festes Mitglied des Verkostungspanels des berühmten James Halliday Wine Companion, dem wichtigsten Weinführer Australiens sowie gefragte Jurorin bei nationalen und internationalen Weinwettbewerben sowie von Tyson Stelzer, ein weltweit anerkannter und mehrfach ausgezeichneter australischer Weinautor und Kritiker.
Der Jahrgang 2023:
Der Jahrgang 2023 war geprägt von einer kühlen, feuchten La-Niña-Wachstumsperiode mit einer verlängerten Reifephase. Überdurchschnittliche Niederschläge im Winter und Frühjahr füllten die Bodenfeuchtigkeit auf, verringerten jedoch die Erträge, während ein milder Sommer und eine späte Lese eine langsame, gleichmäßige Reifung ermöglichten. Das Ergebnis ist ein Wein, der Frische, Konzentration und eine raffinierte Struktur vereint.