Toro mit Kraft – aber ohne Schwere
Der Corral de Campanas zeigt sehr schön, dass Toro weit mehr sein kann als maximale Konzentration und mächtiges Holz. Aus 100 % Tinta de Toro entsteht hier ein kraftvoller, tiefdunkler Rotwein, der seine Herkunft unverkennbar zeigt und dennoch erstaunlich frisch und zugänglich bleibt.
In der Nase dominieren reife rote und dunkle Früchte, begleitet von balsamischen Noten, mediterraner Würze und feinen Anklängen des Holzausbaus. Am Gaumen präsentiert sich der 2022er dicht und fleischig, mit viel saftiger Frucht, reifen Tanninen und einer überraschend lebendigen Frische. Gerade dieses Wechselspiel aus Kraft und Spannung macht den Wein so attraktiv.
Quinta de la Quietud arbeitet biologisch und ausgesprochen handwerklich. Die Trauben werden von Hand gelesen und spontan vergoren. Beim Ausbau setzt das Weingut bewusst nicht ausschließlich auf kleine Holzfässer: Ein Teil reift in großen Fudern und ein weiterer im Tank. So gewinnt der Wein an Tiefe und Geschmeidigkeit, ohne seine Frucht unter einer dicken Holzschicht zu verstecken.
Ein charaktervoller Toro mit ordentlich Substanz und viel Trinkfluss – dunkel, würzig und kraftvoll, aber erfreulich frisch und präzise. Ein hervorragendes Beispiel dafür, wie modern und elegant Tinta de Toro heute sein kann.
Die Verkostungsnotiz von Marian Henß für Vinaturel (März 2026):
Farbe: Leuchtendes, dichtes Purpur mit violetten Reflexen und leicht aufgehelltem Rand.
Nase: Die Nase ist intensiv und betörend, gleichzeitig kühl geführt und von mineralischer Präzision getragen. Die Frucht zeigt sich dicht und weit aufgefächert, mit klarer Ausprägung von Heidelbeere, Blaubeere, Brombeere sowie Schattenmorelle und Süßkirsche in reifer, aber nie schwerer Stilistik. Dahinter schieben sich fleischige Noten von Feige und Maulbeere, die dem Wein zusätzliche Tiefe verleihen. Besonders prägend ist jedoch die kühle, ätherische Komponente: Grafit, Rosmarin, Eukalyptus und Minze geben dem Duftbild Frische und Spannung. Ergänzt wird dies durch feine würzige Nuancen von Pfeffer, Wacholder und einem Hauch Kokos, die subtil im Hintergrund bleiben und die Aromatik elegant rahmen. Insgesamt wirkt die Nase hochpräzise, vielschichtig und bemerkenswert leichtfüßig bei gleichzeitig hoher Intensität.
Gaumen: Am Gaumen bestätigt sich die Stilistik nahtlos: Der Wein ist dicht und strukturiert, dabei jedoch von einer bemerkenswerten Eleganz und Leichtigkeit geprägt. Die Frucht bleibt präsent und saftig, ohne jemals opulent oder schwer zu wirken, und wird von einer klaren, mineralischen Linie getragen. Kraft und Präzision stehen in einem ausgewogenen Verhältnis, wobei die Struktur stets fein und kontrolliert bleibt. Der Wein wirkt modern, zugänglich und gleichzeitig anspruchsvoll, mit einer subtilen, gut integrierten Tanninstruktur, die ihm Halt gibt, ohne ihn zu dominieren. Die Balance zwischen Alltagstauglichkeit und Finesse ist außergewöhnlich gelungen. Im Nachhall zeigt er sich erneut kühl, frisch und klar definiert, mit anhaltender Frucht und feiner würziger sowie ätherischer Begleitung.