Elegant und feingliedrig, mit leichten Reifenoten
Stephan Reinhard zum Nikolaihof Grüner Veltliner Federspiel Aus den Gärten 2013 Late Release abgefüllt in 2024:
Der 2013 Aus den Gärten Grüner Veltliner Federspiel Late Bottled wurde im April letzten Jahres abgefüllt, also 10 Jahre später als die reguläre Abfüllung. Der Wein ist klar, intensiv und frisch in der tiefen und würzigen, mineralisch duftenden Nase, die subtile Frucht mit viel Salz und einem noch frischen oder zeitlosen, jedenfalls nicht primären, fruchtigen Bouquet offenbart. Am Gaumen dicht und strukturiert, ist dies ein mittel- bis vollmundiger, runder, üppiger und raffinierter, dichter und nachhaltiger Veltliner mit einem spektakulären Abgang, der noch straff und griffig ist, mit ausgeprägten Tanninen. 12,5 % angegebener Alkoholgehalt. Naturkorken. Archivveröffentlichung 2024. Verkostet im Januar 2025.
Antonio Galloni schreibt:
Der 2013 Grüner Veltliner Aus den Gärten Federspiel Late Bottled wurde 11 Jahre lang auf feiner Hefe im Fass gereift. Diese aktuelle Ausgabe öffnet sich mit einer feinen Apfelnote, die an Cox Orange Pippin-Saft erinnert, durchzogen von Rauch und Hefe. Am Gaumen ist er exquisit flüssig, fast kreidig, vollkommen rein und überwältigend. Frische, Konzentration und Lebendigkeit sind reichlich vorhanden, mit all der spritzigen Jugendlichkeit, die ihm seine lange Hefelagerung verleiht. Der Abgang ist lang, hefig und herrlich frisch. Eine Lektion in Sachen Wein, die uns etwas über die belebende Wirkung der Hefe und die Langlebigkeit handwerklich hergestellter Weine lehrt.
Die Verkostungsnotiz von Marian Henß (Mai 2024):
Farbe: Leuchtendes Zitronengelb mit grünen Reflexen | Nase: Erwartungsgemäß ist dieser Wein mit dem ersten Kontakt eine Wucht. Seine Tiefgründigkeit – allein in den ersten wenigen Augenblicken – ist phänomenal. Voller Dichte und Erdigkeit baut er sich auf. Sein langes Fasslager und der Hefekontakt hinterlassen ihre Spuren. Nicht plakativ verstehen, denn das ist so viel mehr. Ein erwachsener, reifer, erhabener und dunkler Wein steht vor uns im Glas. Limone, Kaffir-Limette und Bergamotte verleihen ihm Frische und Tiefe zugleich. Ein Hauch Sencha-Tee liegt in der Luft. Mandarinenhaut sorgt für ein herbes bis frisches Erlebnis. Reife Birne und Quitte bauen sich langsam auf. Mit steigender Temperatur wird das Kernobst dann auch prominenter vertreten. Die Hefe zeigt sich dezent im Hintergrund, ist aber ein essenzielles Bindeglied. Kräuter und Gewürze finden sich in enormer Vielzahl, sich ständig wandelnd. Pfeffer, Koriander, Curry, Zitronengras, Kümmel, Nelke und Petersilie. Vollkommen wild. Jede Nase fesselt aufs Neue. Ein irrer Wein. | Gaumen: Mit großer Sehnsucht lechzt man nach dem ersten Schluck. Auch hier brilliert er von Beginn an. Er steht erhaben im Glas. Der Grüner Veltliner Federspiel aus den Gärten ruht förmlich in sich. Seine Balance und dieser Spannungsbogen suchen seinesgleichen. Er ist Energie-geladen, aber nicht aufdringlich. Man spürt ihm Qualität und Können sofort an. Bei moderater Säurestruktur und einem verhaltenen Schmelz lebt er von der Autolyse. Dieses feine Mundgefühl wird von reichlich Umami geprägt. Die Aromen der Nase kommen sehr subtil wieder durch. Sehr lange haftet im Nachhall auch Mango und Papaya an, die sich bestens mit den Kräutern und Gewürzen ergänzen.