Italien verfügt über eine außergewöhnlich große Vielfalt autochthoner Rebsorten. Damit bezeichnet man Rebsorten, die historisch eng mit einer bestimmten Region verbunden sind und dort über lange Zeit kultiviert wurden. Viele von ihnen sind außerhalb ihrer angestammten Gebiete nur wenig verbreitet und verleihen den italienischen Weinregionen einen besonders eigenständigen Charakter.
Auch Apulien besitzt neben bekannten Sorten wie Primitivo und Negroamaro zahlreiche regionale Spezialitäten. Zwei davon stehen im Mittelpunkt dieser Verkostung: Nero di Troia, auch Uva di Troia genannt, ist vor allem mit dem nördlichen und zentralen Apulien verbunden. Susumaniello hat seine traditionelle Heimat weiter südlich, insbesondere im Salento.
Beide Rebsorten können strukturierte und charaktervolle Rotweine hervorbringen, zeigen sich in den beiden verkosteten Abfüllungen jedoch ausgesprochen unterschiedlich.
Botromagno Nero di Troia IGP Murgia Rosso 2022
Der Botromagno Nero di Troia IGP Murgia Rosso 2022 zeigt sich bei mir weniger als fruchtbetonter Südwein, sondern eher von seiner würzig-mineralischen Seite. Neben dunkler und roter Frucht treten vor allem Pfeffer, Minze und eine schöne Tabakkisten-Note hervor.
Besonders auffällig ist die steinige Mineralität, die dem Wein eine herbere und kühlere Kontur verleiht. Er wirkt dadurch keineswegs breit oder marmeladig, sondern vergleichsweise geradlinig und charaktervoll. Würze, Frische und der trockene, leicht herbe Nachhall bestimmen seinen eigenständigen Stil.
Kein marmeladiger Apulier also, sondern ein Nero di Troia mit Ecken, Kontur und einer ausgesprochen würzig-mineralischen Persönlichkeit.
San Marzano Susco Susumaniello Salento IGP 2021
Der San Marzano Susco Susumaniello 2021 schlägt eine andere Richtung ein. In der Nase zeigen sich Blütennoten, reife rote Johannisbeere, Gewürznelke und feine Vanille-Anklänge.
Am Gaumen wirkt er kraftvoll, aber nicht schwerfällig. Eine erfrischende Säure hält ihn lebendig, während die Tannine elegant und gut eingebunden erscheinen. Der Nachhall bleibt lang, würzig und angenehm animierend.
Im Vergleich zum Nero di Troia wirkt der Susumaniello runder, duftiger und zugänglicher, ohne dabei seine Struktur zu verlieren. Seine Verbindung aus Frucht, floralen Noten, Gewürzen und lebendiger Säure macht ihn zu einem vielseitigen Rotwein, der besonders gut zu kräftigen Speisen passen dürfte.
Zwei Rebsorten, zwei Gesichter Apuliens
Beide Weine zeigen, wie wenig sich Apulien auf schwere und süßlich wirkende Rotweine reduzieren lässt. Der Nero di Troia präsentiert sich herb, steinig und würzig, der Susumaniello dagegen floraler, fruchtiger und geschmeidiger.
Gerade dieser Unterschied macht die Verkostung so interessant: Zwei autochthone Rebsorten aus derselben süditalienischen Region – und dennoch zwei deutlich voneinander abweichende Weinerlebnisse.
