„Bevor du mit teuren Spitzenweinen anfängst, solltest du ein paar Weinpaletten ausgetrunken haben.“ Das habe ich mir vor 4 Jahren sagen lassen mehr dazu. Und tatsächlich bin ich in dieser Zeit in meinen Weinartikeln selten über die Marke von 40 € pro Flasche gegangen. Nun ist es an der Zeit, sich an eine teurere Verkostung zu wagen.

Es ist immer von Vorteil, mindestens zwei Weine auf dem Tisch zu haben, statt sich mit einer einzigen Flasche zu beschäftigen. Ausgerechnet die Unterschiede zwischen den Weinen machen die Eigenschaften jedes Weins deutlicher. So kann ich mehr an Aroma- und Geschmacksnoten herauskitzeln – ein typisches Synergiebeispiel. Natürlich darf die Auswahl nicht zufällig getroffen, sondern sollte gut durchdacht werden.

So ist das auch in diesem Fall …

Zwei Spitzenweine. Der Chateau Fonplegade 2016 tritt gegen den Chateau Langoa Barton 2016 an

Das Chateau Fonplegade befindet sich in Saint Emilion, östlich der Stadt Bordeaux. Das Chateau seines „Gegners“ liegt in Saint-Julien, am linken Ufer der Gironde. Die beiden Weine sind gleich alt (2016).

 Wesentliche Unterschiede findet man in den verwendeten Rebsorten. Fonplegade: 95 % Merlot und 5 % Cabernet Franc. Barton: 55 % Cabernet Sauvignon, 37 % Merlot und 8 % Cabernet Franc.

 

Nichtsdestotrotz fällt uns bereits am Anfang unserer Verkostung ein ähnliches Geschmacksmuster der Weine auf.

Der Chateau Fonplegade

Lassen Sie dem Wein Zeit zum Atmen (mindestens eine Stunde), belohnt Sie der edle Tropfen mit einem unglaublich komplexen und gleichzeitig eleganten Aroma. Cremig und exotisch. Schwarze Kirsche und Maulbeere, erdige Noten, Tomate. Am Gaumen sehr reif und samtig. Erstaunliche Balance zwischen Säure und Tanninen (manchmal hatte ich ein komisches Gefühl, diese nicht mehr auseinander halten zu können). Die fruchtige Symphonie begleitet eine ganze Weile, surft auf einer mineralischen Welle durch unterschiedliche Geschmacksmuster. Sehr fruchtiger, langer Abgang.

Der Chateau Langoa Barton

Tiefer Purpur mit violettem Rand.

Klingt viel kälter und klarer als der Opponent aus Saint Emilion. Die Nase verrät den Cabernet Sauvignon bereits am Anfang, der Merlot mischt sich mit fruchtigen Tönen ein. Am Gaumen sehr frisch. Noten von Lakritz, Holunder, Kirsche und Rosenblüten. Etwas Tomate. Unglaublich gut strukturiert (er schlägt in diesem Punkt den Fonplegade deutlich) und sehr elegant.

Die Ähnlichkeit der beiden Spitzenweine besteht in den fruchtigen, aber sehr reifen und ruhigen Kirschnoten und einer schwer beschreibbaren exotischen Note, die sich bei mir persönlich mit sehr reifen Tomaten und Wassermelone assoziiert.