In den letzten zehn Jahren habe ich als leidenschaftlicher Laie und Weinbegeisterter unzählige eigene Erfahrungen gesammelt und sie immer wieder geteilt. Der Anfang dieses Weges und mein Schlüssel zum Verständnis von Wein war immer der Ansatz, die Unterschiede herauszuschmecken: die Rebsorten zu erkennen, die feinsten Aromen bewusst wahrzunehmen und die Gaumenerlebnisse zu unterscheiden. Je weniger ich nach „leckerem“ Wein suchte, sondern nach frischen Erfahrungen, umso mehr hervorragende, edle Tropfen begegneten mir.

Gelegentlich bin ich im Lauf der Jahre auf Burgunderweine gestoßen, fand sie sehr interessant und eigenartig, doch blieb nicht lange bei ihnen hängen – was ich mir heute selbst nicht erklären könnte. Nun fließen wieder ein paar Burgunder in unsere Gläser und erinnern mich daran, dass sie definitiv ein genaueres Hinsehen verdienen, denn sie offenbaren eine subtile, eigene Welt.

Burgunderweine kommen also aus dem Herzen Frankreichs, hergestellt vor allem aus den Rebsorten Pinot Noir für Rotwein und Chardonnay für Weißwein. Geschmacklich bedeutet das bei den Roten oft elegante rote Frucht und feine Erdigkeit, bei den Weißen eine schöne mineralische Frische.

Doch was für mich den größten Unterschied macht, ist die einzigartige, weiche Säure, die die Aromen und Geschmackstöne so verändert, dass sie eigenartige Variationen annehmen. Die Kirsche bleibt Kirsche und die Waldbeeren sind als solche erkennbar, doch diese Art Säure überdeckt sie alle mit einem Anklang von nassem, dichtem Wald mit Boden- und Wurzelnoten bis hin zu subtilen Tönen von Pilzen und altem Laub – genauso, wie es in einem alten, dichten Wald im Unterholz riecht.

Unterholznoten und nasser Waldboden sind auch bei anderen Weinen oft erwähnte Verkostungseindrücke. Doch bei den Burgundern scheinen sie mir viel intensiver zu sein, mit deutlich stärkerem Charakter. Aber auch hier kann man nicht pauschalisieren.

Clos de la Perrière Monopole 2022

Einer der Weine, die mir zuletzt begegnet sind, war der Clos de la Perrière Monopole 2022 vom Clos du Moulin aux Moines – ein typischer Burgunder. Ein Pinot Noir aus Auxey-Duresses, der mir durch seine elegante Art auffiel: rote Früchte wie Kirsche und Himbeere, florale Nuancen, ein Hauch von Wald und eine spürbare Mineralität. Und natürlich die einzigartige Säurestruktur, die ich oben erwähnt habe. Frisch und authentisch.

Mâcon Verger des Feuillants 2021

Noch spannender fand ich jedoch den Mâcon Verger des Feuillants 2021 von Deux Roches. Er wirkte für mich fast noch charmanter und zeigte neben den typischen roten Früchten auch Lakritz- und karamellige Noten. Erfahrene Kritiker würden diese Eindrücke wahrscheinlich unter dem Begriff „süße Gewürze“ zusammenfassen.

Doch ist Gamay eigentlich in der Bourgogne zugelassen?

Gamay in der Bourgogne

Im Mâconnais ist Gamay die zugelassene Rebsorte für Rotweine. Darüber hinaus gibt es noch die Appellation Bourgogne Passe-Tout-Grains, in der Pinot Noir und Gamay verschnitten werden dürfen. Und ganz im Süden, im Beaujolais, ist Gamay sogar die alleinige Hauptrebsorte.

Stilistisch bringt Gamay frische, saftige rote Frucht, feine Würze und sehr weiche Tannine – dadurch wirken die Weine oft zugänglich, charmant und lebendig. Ich vermute, dass dieser Wein für unerfahrene Weintrinker etwas zugänglicher wirkt als die klassischen Pinot Noir.