Weinmomente zwischen Weinbüdchen, Markus Molitor und Weingut Ackermann
Zwei Tage vor einer regnerischen Woche ist eine kurze Reise an die Mosel geplant.
In Zeltingen angekommen, bin ich am Verhungern und stolpere zufällig über eine kleine Fischbude. Der Magen muss gefüllt werden – schließlich wartet am Nachmittag noch eine Weinprobe bei Markus Molitor.
Fisch und Gambas sind vorzüglich, und dazu hole ich mir ein Glas Weißwein – ein Riesling vom Weingut Ackermann, direkt gegenüber. Die Empfehlung passt: der Wein ist tatsächlich gut. Auch die anderen Gäste um mich herum genießen sichtlich den einen oder anderen edlen Tropfen.
Ich werde neugierig, wie sich die Geschmackspräferenzen der Kunden in letzter Zeit verändert haben – und Marcel, der Betreiber, beantwortet mir gerne meine Fragen.
Am Nachmittag geht es weiter: Das Weingut von Markus Molitor liegt auf dem gegenüberliegenden Moselufer. Ich entscheide mich, zu Fuß dorthin zu gehen – so lässt sich die Verkostung entspannt genießen.
Auf dem Programm stehen:
- Pinot Blanc – Wehlener Klosterberg 2021 und 2018
- Riesling – Graacher Domprobst Kabinett 2020, Ürziger Würzgarten Auslese 2015, Wehlener Klosterberg Kabinett 2012
- Pinot Noir – Einstern 2020 und Brauneberger Klostergarten 2015
Besonders beeindruckt haben mich drei Weine:
- Wehlener Klosterberg Kabinett 2012 – ein feinfruchtiger, mineralischer, eleganter Riesling, mit floralen Noten und einem süß-säuerlichen Spiel.
- Wehlener Klosterberg Pinot Blanc 2021 – Aromen von Blumenhonig und ein wunderbarer mineralischer Gaumen: Birne, Apfel, Aprikose.
- Ürziger Würzgarten Auslese 2015, drei Sternchen – sehr konzentriert, komplex, mit großem Lagerpotenzial. Die Nase zeigt Mineralität, dazu etwas Würze und Rauch. Am Gaumen verbindet sich eine feine Süße mit unglaublicher Frische, die Struktur ist klar, der Eindruck kraftvoll und elegant.
Nach dieser intensiven Verkostung sind meine Sinne ordentlich ermüdet. Zeit, zurück zur Unterkunft zu gehen.
Dort die Überraschung: Direkt gegenüber befindet sich das Weingut Ackermann – genau der Betrieb, dessen Wein ich am Vortag schon an der Fischbude probiert habe.
Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, stelle ich mich der Winzerfamilie vor. Noch bevor wir in den Keller gehen, nehmen sie sich Zeit für meine Fragen.
Im Keller verkosten wir mehrere Ackermann-Weine, die mich durchweg positiv überraschen. Mein Favorit:
Zeltinger Himmelreich Weißburgunder 2024
Sehr aromatisch mit Anklängen von Birne. Am Gaumen zeigt er sich rund und geschmeidig, mit gut eingebundener Säure, feiner Frucht und harmonischem Alkohol. Der cremige Eindruck wird von leisen Honignoten begleitet, die in einen zarten Steinobst-Nachhall übergehen. Eine elegante Textur, die ich als besonders angenehm empfunden habe.
Nach einer Weile werden wir gesprächiger, und die Probe entwickelt sich zu einem lebendigen Austausch – ein runder Abschluss meiner Mosel-Tage.
